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Objekt des Monats: Dezember 2016

Donnerstag, 01.12.2016

Zwei Ansichtkarten von Wolfgang Bauer an Gerhard Roth, eine aus Paris, eine aus San Francisco

Lange Briefe waren seine Sache nicht. Lieber telefonierte er und schickte seinen Freunden Ansichtskarten, die wie vieles bei Wolfgang Bauer zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit schwankten. Bunte Kassiber aus nah und fern, Zustandsstenogramme, manchmal ganz lapidar, dann wieder etwas ausführlicher, die Banales lustvoll stilisierten und das Pathetisch-Erhabene ironisierten. Chiffren einer Art Privatsprache, kleine „poetische Akte“. Erst in der Serie entfalten diese Poststücke ihre Wirkung.
Mit dem um ein Jahr jüngeren Gerhard Roth verband Bauer eine lange, aber nicht immer friktionsfreie Freundschaft, die von Ende der 50er Jahre mit intensiven Phasen und jahrelangen „Aussetzern“ bis zu seinem Tod im Jahr 2005 andauerte. 30 Korrespondenzstücke von Wolfgang Bauer sind im Gerhard Roth-Vorlass am Nabl-Institut enthalten – 28 Ansichtskarten, ein Brief und eine als Leserbrief an die Kronenzeitung gerichtete, gemeinsam verfasste und später in der „Neuen Zeit“ abgedruckte Polemik anlässlich des Erzherzog-Johann-Jahrs 1982. Sie markieren den Zeitraum der engsten Relationen, die sich auch künstlerisch niederschlugen, von den drei gemeinsamen Amerikareisen 1972, 73 und 75 bis zu jener „Ohrenverletzung“ (Roth), die zu einer langen Funkstille führte. Datiert sind sie von 1975 bis 1987 – die frühesten sind undatierbar – sowie mit 2004, also dem Wiederaufflackern der Beziehung kurz vor Bauers Tod. Sie stammen aus aller Herren Länder und Kontinente, zu einem Drittel aus den USA, aber auch aus Ägypten, Indien, Jamaica, Marokko, Mexiko, Singapur und aus diversen europäischen Städten (Budapest, Helsinki, London, Paris, Stockholm und Venedig) und weisen „Magic Wolfi“, den exzessiv Suchenden und Reisenden, als – wenn auch ironisch gebrochenen – Romantiker zwischen fiktionaler Selbstsetzung und rauschhafter Selbstauflösung aus.

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Daniela Bartens

 

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