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Objekt des Monats: Juli 2018

Barbara Frischmuth/ Raum – Mensch – Geschichte

Manuskriptbuch A5 blau m. hs. Beschriftung „ADA I.“ aus dem Vorlass von Barbara Frischmuth am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, dat. 12.9.2010, 96 Bl.

„Sie lag mitten im See, den Rücken durchgestreckt, die Arme ausgebreitet, die Beine gespreizt.“ Ein Satz, der zu Beginn des 2012 erschienenen Romans Woher wir kommen steht. Eines Romans, verfasst von der 1941 in Altaussee geborenen und seit 1999 wieder dort lebenden Autorin Barbara Frischmuth, die selbst eine leidenschaftliche Schwimmerin ist. Eine geographisch-biographische Zuschreibung, ein Mehr an Information, das gemeinsam mit dem an späterer Stelle im Buch vorkommenden Satz „Die Sonne stieg gerade hinter der großen Felswand empor, ihre Strahlen […] wiesen in einer Linie auf den See“ den Blick verengen und gleichsam konkrete Bilder freigeben kann. Erhebt sich plötzlich der Trisselberg mit seiner markanten 600 Meter hohen Felswand neben der schwimmenden Protagonistin Ada? Oder taucht unwillkürlich der Loser, der Hausberg des Ausseerlandes, vor den Augen der Leser_innen auf und dient als real verortbare Kulisse einer fiktionalen Szenerie? In Woher wir kommen finden sich zahlreiche Textstellen, die ein Inbezugsetzen mit der Gemeinde im steirischen Salzkammergut ermöglichen, ohne dass Altaussee als Schauplatz direkt genannt wird.
In einem Interview mit Stefanie Raudaschl, die eine Arbeit zu Realität und Fiktion in eingangs erwähntem Roman verfasste, verwendet Frischmuth den Begriff der Wahrnehmungs-Autobiographie, der in zwei Richtungen verstehbar ist. Zum einen geht es der Autorin um die Authentizität ihrer eigenen Wahrnehmung, wenn sie meint: „Das musste ich nicht erfinden, weil es meiner Wahrnehmung entspricht.“ Zum anderen erfasst der Begriff aber auch das Verständnis des Lesenden: Was mit real Existentem abgeglichen werden kann, was sich als literarischer Raum auftut, obliegt auch dessen Wahrnehmungsbiographie.
Frischmuth geht es weder im Roman Woher wir kommen noch in Einander Kind oder Vergiss Ägypten primär um eine Wiedergabe von Geschichte im Sinne einer Wissensvermittlung. Sie kennt die einschlägige Literatur (nachweisbar durch zahlreiche Interviews sowie Notizen, die sich ebenfalls im Vorlass befinden), weiß um belegbare Gegebenheiten und geht auf dieser Basis der Frage nach, wie es gewesen sein könnte. Stimmungen, die erzeugt werden, das Hineinwirken des Gestern in die Gegenwart vermitteln dabei ein lebendiges Bild der Vergangenheit, das durch erfundene Lebenswelten von Figuren, die Frischmuth eng mit konkreten historischen Handlungen verbindet, noch klarer sichtbar wird. Die Autorin schreibt Geschichte dabei nicht neu, sie schreibt sie ein – den Menschen, den Gegenden. Raum – Mensch – Geschichte. In Frischmuths Werk geht das eine in das andere über, ist das eine ohne das andere nicht denkbar.

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