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Objekt des Monats: Juni 2018

„Heimatkunde für Gruber Reinhard 3.a“ – ein Schulheft

2 Doppelseiten aus dem „Heimatkundeheft für Gruber Reinhad [!] 3.a“, undat. [1955/56] aus dem Vorlass von Reinhard P. Gruber am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung

Zweimal – anlässlich seines 33. Geburtstags 1980 im Theater im Keller und 2007 anlässlich seines 60. Geburtstags im Literaturhaus Graz – hat Reinhard P. Gruber in Graz öffentlich aus seinen „Heimatkunde“- und Aufsatzheften der dritten Klasse Volksschule gelesen und so das Fohnsdorfer Sprachmaterial seiner Kindheit aus der ehemaligen obersteirischen Bergwerksgemeinde zu Tage gefördert und – wie einst Handke seine „Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968“ – als „ready made“ unbearbeitet und unkommentiert aus dem (Braun-)Kohlen- in den Kunstkontext übergeführt. Was freilich, sehr zum Gaudium seines Publikums, dessen „ästhetische“ Qualitäten bloßlegte und durch die Deplatzierung die affirmativ eingehämmerte Heimatideologie unterminierte.
Bis in die 1970er Jahre hatte die inzwischen durch den sogenannten Sachkundeunterricht abgelöste „Heimatkunde“ in den ersten vier Schuljahren einen an der kindlichen Erfahrung orientierten Gesamtunterricht geboten, der in konzentrischen Kreisen vom Nahen zum Fernen fortschreitend auf eine Eingliederung der Sechs- bis Zehnjährigen in ihre unmittelbare Umgebung abzielte. Mensch und Natur, geographische Gegebenheiten, geschichtliche Ereignisse, Brauchtum und Sagen waren Bestandteile dieses Unterrichts. Heimat als unmittelbarer Lebensraum samt mythischer Verklärung des Gegebenen, Heimatliebe und Naturverbundenheit wurden gelehrt und ein agrarisch geprägtes, anti-intellektualistisches Menschenbild in einem auf Bewahrung und Tradition angelegten Gemeinwesen vermittelt. Grubers Heimatkundehefte – hier beispielhaft das erste von insgesamt drei Heften – spiegeln in ihrer Gliederung diese Inhalte wider: „Unser neues Schulzimmer“, „Unser Schulhaus“, „Österreich ist wieder frei“, „Die Familie“, „Auf dem Friedhof“, „Unsere Dorfkirche“, „Fohnsdorf in alter Zeit“, „Der Hauptplatz von Fohnsdorf“, „Im Fohnsdorfer Kohlenbergwerk“, „Von der Entstehung der Kohle“, „Die Weihnachtszeit“, „Adventbräuche“, „Das Jahr“, „Von der Gemeinde“, „Wichtige Gebäude und Ämter“, „Die Kartenzeichen“, „Die Umgebung von Fohnsdorf“, „Von der Katze“, „Kumpitz“, „Die Gemeinde Waltersdorf“. Für den Sprachsatiriker und selbsternannten „Heimatentheoretiker“ Gruber waren die naiv-definitorischen Zuschreibungen dieser Heimatkunde aus dem Schuljahr 1955/56, die sich als objektive Beschreibungen unhinterfragbarer Tatsachen und Sachverhalte tarnten, ein gefundenes Fressen. Insbesondere wo soziale Rollenzuweisungen als naturgegebene hingestellt werden, wie bei den patriarchalen Rollenklischees von Vater und Mutter innerhalb der Familie – „Er verdient das Geld, damit die Familie leben kann. Er muß schwer arbeiten… Sie arbeitet von früh bis spät im Haushalt. Sie kocht, wäscht, putzt, näht, muß einkaufen, die kleinen Kinder versorgen…“ –, wird aus der Diskrepanz zu heutigen Lebensformen die ideologische Schlagseite dieses Heimatkundeunterrichts unmittelbar einsichtig.

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