Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Inhalt:

Objekt des Monats: November 2016

Dienstag, 01.11.2016

Ödön von Horváth: Führerschein

Führerschein Nr. 1654i/34, ausgestellt in Berlin am 21. September 1934 auf Ödön von Horváth, geboren am 9. Dezember 1901 in Fiume, wohnhaft in Berlin, Kurfürstendamm 33. Sammlung Ödön von Horváth der Ödön-Horváth-Gesellschaft Murnau am Staffelsee, Oberbayern.

Autos sind in den Texten Ödön von Horváths (1901–1938) höchst gefährliche Objekte, in ihnen kulminieren Macht, Geld, Hierarchie und der Tod. Wo ein Auto involviert ist, stehen die mitfahrenden Fräulein als Waren zur Disposition. Anna Pollinger verkauft im Roman Der ewige Spießer (1930) gegen eine Autofahrt, ein Schnitzel in Feldafing und fünf Mark extra ihren Körper, die ambitionierte Karoline aus dem Volksstück Kasimir und Karoline (1932) steigt ebenso bereitwillig in den Wagen von Kommerzienrat Rauch. Ihre Fahrer sind Männer, die es sich leisten können und mit dem Wagen ihre nicht nur finanzielle Potenz zur Schau stellen. Der Besitz eines Kraftfahrzeugs ist eindeutiger Indikator dafür, wo im sozialen Gefüge oben und wo unten ist. Mit dem Auto kommt aber auch der Tod als ständiger Begleiter der Macht, seien es die vier ominösen Leichenbestatter im frühen Stück Niemand (1923) oder die fememordende Schwarze Reichswehr in Sladek (1927). Bei Horváth in ein Auto zu steigen, heißt im mehrdeutigen Sinne, mitgenommen zu werden.

mehr lesen

Martin Vejvar

Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Zusatzinformationen:


Ende dieses Seitenbereichs.