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Objekt des Monats: April 2018

Die Vitrine. Das ‚Schaufenster‘ der Literatur im Museum

„Und ebenso wie es durch Vitrine oder Glasrahmen bei der Musealisierung geschieht, geht auch Archivierung damit einher, dass Schrift zunächst einmal jedem Gebrauch entzogen wird, der am Lesen des Schrifttextes interessiert wäre. Die Schriftträger werden nämlich […] in Archivboxen verstaut und […] magaziniert“, hat der deutsche Mediävist Peter Strohschneider im Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft (2016) festgestellt.
Tatsächlich sind die im Kontext von Archiv und Museum, also jenen dem kulturellen Gedächtnis verschriebenen Institutionen, angewandten kuratorischen, archivarischen und denkmalpflegerischen Strategien vergleichbar, jedoch ist der ontologische Status eines Objekts, z. B. einer Handschrift Johann Wolfgang von Goethes oder Franz Kafkas, dessen Proceß-Manuskript im letzten Jahr im Gropius-Bau in Berlin vollständig ausgestellt wurde, in einer opaken Archivbox von dem in einer gläsernen Vitrine im Kontext einer Literaturausstellung grundverschieden. Die „Raffinesse des Glases“ besteht ja darin, so Walter Seitter in seiner Physik der Medien, dass es zwar „lichtdurchlässig ist und die Kommunikation mit der Außenwelt in ‚Aussicht‘ stellt“, es andererseits jedoch, z. B. in Form eines Containers, hermetisch abschließt.
Im Archiv sind Nachlässe, durch das seit dem 19. Jahrhundert bestehende Provenienzprinzip definiert, im Kontext der Ausstellung aber werden bislang ungesehene Zusammenhänge hergestellt, kontextualisiert und veranschaulicht. Die Schaffung eines Arrangements, das „bislang nicht existiert hat“ (Manfred Sommer), ist das konzeptuelle Ziel jeder Ausstellung, wobei ihr hinsichtlich der Temporalität die dem Archiv inhärente ‚Dauer‘ fehlt.
Der Literaturausstellung als verhältnismäßig junger Gattung (Stichwort: „Zimelienschau“, 1844 war die erste deutsche Literaturausstellung in Frankfurt Goethe gewidmet) geht aber durchaus die seit der römischen Antike gebräuchliche Tradition voraus, Schriftrollen bzw. Bücher zu zeigen. Ebenso ist die Geschichte literarischer Gedenkstätten und Archive ein zentrales Element in der Geschichte von Literaturausstellungen.
Das älteste Literaturarchiv, das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, gegründet 1889, hat ebenfalls ein angeschlossenes Museum. Für Walter Benjamin, der es 1928 besuchte, lagen die dort ausgestellten Handschriften in den Schaukästen wie „Kranke in Hospitälern […] hingebettet“. Theodor W. Adorno wird 1953 diesen Gedankengang noch radikalisieren, als er nicht nur von der phonetischen, sondern auch inhaltlichen Verknüpfung der Institutionen ‚Museum‘ und ‚Mausoleum‘ spricht. In Museumskrankheit (1957) hat Maurice Blanchot dieses Unbehagen damit erklärt, dass das Museum „also nicht der Behälter gelehrter Kontemplation und auch nicht das geordnete Inventar der Entdeckung der Kultur“ sei, sondern „ein imaginäre[r] Raum, in dem die künstlerische Schöpfung sich im Kampf mit sich selbst unaufhörlich sucht, um sich jedesmal gleichsam aufs neue zu entdecken, eine im vorhinein zurückgewiesene Neuheit.“

Ähnlichen Fragestellungen geht die Konferenz „Schauplatz Archiv. Objekt, Narrativ, Performanz“ von 4.4. bis 6.4.2018 im Literaturhaus Graz nach. Die dritte Tagung der Reihe „Literatur und Archiv“ wird sich der Zugänglichkeit, Repräsentation und Dissemination des institutionell verwahrten kulturellen Erbes zuwenden und in einem übergreifenden Gespräch zwischen Fachwissenschaften und Praxis, Theorie und Management des Archivs den Fragen der Auswahl, Inszenierung, Reflexion und Extraktion widmen.

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