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Objekt des Monats: Dezember 2017

Wolfgang Bauer / Gunter Falk: 1. Manifest der HAPPY ART & ATTITUDE (1965)

Typoskriptblatt mit hs. Korr. v. unbek. [Gunter Falk?] aus dem hektografierten, 3-seitigen „1. Manifest der HAPPY ART & ATTITUDE“ v. Wolfgang Bauer und Gunter Falk, dat. 4.12.1965, Archiv des Franz-Nabl-Instituts für Literaturforschung, Vorlass Barbara Frischmuth, Konvolut 4.5.2.1.2.: Werke anderer Autoren/Künstler.

Barbara Frischmuths 21. Geburtstag muss legendär gewesen sein, bedeutungsvoll nicht nur für den Wellensittich, der – Zufall oder (höhere) Gewalt? – dabei sein Leben ließ, wie die Autorin erzählt, sondern auch in literarhistorischer Hinsicht. Weiß doch Wolfgang Bauer in seinem Text „Georg und das Schachspiel“ (1984) zu berichten, dass auf besagter Party von dem Grazer Urania-Philosophen Georg Jánoska und ihm das „Free-Schach“ erfunden worden sei, jenes regellose Spiel der unbegrenzten Züge, Inkarnation eines „poetischen actes“ im Sinne Artmanns, das er später mit Gunter Falk als „kongenialem Partner“ fortsetzte und schließlich in sein Stück „Gespenster“ aufnahm.

Eingeladen waren auf der Party – so Barbara Frischmuth in ihrem Statement für „MEMORY XS. Eine Ausstellungsinstallation über Wolfgang Bauer“ (2007) – neben Bauer unter anderen Alfred und Hedwig Kolleritsch, das Ehepaar Jánoska, Gunter Falk, Harald Sommer und Hedi Wasserthal. Aus dem „Geblödel“ heraus sei dort von Bauer und Falk auch die Entwicklung einer „Kunst der Lebensfreude“ angedacht worden und bereits der Begriff der „Happy Art“ gefallen, erinnert sich Frischmuth in einem Telefongespräch vom 15.11.2017.

Drei Jahre nach jener ominösen Geburtstagsparty war es dann soweit: „HAPPY ART & ATTITUDE“, kurz HAA, wurde am 15.12.1965 im Grazer Forum Stadtpark verkündet, jene Haltung der Liebenswürdigkeit und der Lebensfreude, der Sinnlichkeit und des Spiels, des lustvollen Unernsts, die die sanfte Weltrevolution mit garantiertem Happy-End einläuten sollte. Barbara Frischmuth war bereits nicht mehr dabei, sie war 1964 nach Wien gezogen. Das Typoskript des „1. [und einzigen] Manifests der HAPPY ART & ATTITUDE“ sei über Gunter Falk zu ihr gelangt, glaubt sie sich zu erinnern, die Korrekturen, die die Zahlensystematik zu re-etablieren suchen, aber nicht in die Druckfassung Eingang fanden, stammten jedenfalls nicht von ihr.
„HAPPY ART & ATTITUDE“ ist der Kulminationspunkt einer Reihe von Lesungen mit moderat aktionistischem Charakter, die die jungen Forum-Autoren von 1962-65 veranstalteten. Bauer und Falk gingen in diesen sogenannten „Dunkelkammern“ – dem allgemeinen Konsens zufolge – mit Abstand am weitesten.

HAA war durchaus ernst gemeint, wenngleich zynisch-resignativ übertrieben. Der Spieltheoretiker Falk und der „Praktiker“ Bauer plädierten in ihrem Manifest mit Herbert Marcuse für die Befreiung des Lustprinzips aus seiner durch Freud verordneten Unterdrückung. Nicht das ödipale Prinzip der Triebentsagung, sondern gerade deren Freisetzung durch das (ästhetische) Spiel, Sinnlichkeit, (herrschafts)freies und lustvolles Handeln, Liebenswürdigkeit und Freude sollten die „Happiness“ garantieren. Mit messianischem Eifer wird „die sanfte Weltrevolution“ verkündet, selbst noch das „Problem des Todes“ soll gelöst werden, indem seine „vermeintliche Unlustbetontheit“ sozusagen „happisiert“ wird. HAA spielt mit der Überführung der Kunst in Lebenspraxis und ist sich deren unaufhebbarer Autonomie zugleich bewusst, wie die verschiedenen Ironisierungsstrategien des Textes deutlich zeigen. Sie ist auch eine Parteinahme für die Rolle der Kunst als Kunst, die gerade in ihrer Künstlichkeit politisch wirken könnte.

Am 15.12.2017 startet im Literaturhaus Graz die Performancereihe „Happy Art and Attitude now!“.

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