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Objekt des Monats: Mai 2018

1938: Mozart-Preis für Franz Nabl

Foto vom Empfang österreichischer Autoren bei Reichsinnenminister Frick anlässlich der 9. Berliner Dichterwoche „Deutsch-Österreichische. Dichtung der Zeit“ (25.-30. April 1938). In: Neues Wiener Tagblatt v. 29.4.1938, S. 12.

Der Wolfgang Amadeus Mozart-Preis wurde ab 1935 von einer Privatstiftung des Deutschen Reichs, der Frankfurter Goethe-Stiftung (als Teil der Stiftung F.V.S. des Hamburger Kaufmanns Alfred C. Toepfer), vergeben. Als volksdeutscher Preis war er für „das bairische Stammestum des Alpenraumes, das sich stets für seine Heimatscholle und für sein Volkstum einsetzte“, gedacht, i. e. S. für Künstler und vor allem Schriftsteller außerhalb des NS-Staats (in Österreich und auch Südtirol), denen neben ihrer literarischen Preiswürdigkeit eine deutschnationale, mit dem „Altreich“ sympathisierende Gesinnung attestiert wurde. Neben den Universitäten München und Innsbruck war vor allem Graz als akademische Institution bei der Auswahl federführend, so dass nach Josef Weinheber (1936) die steirischen Autoren Max Mell, Franz Nabl und Hans Kloepfer (1937-1939) geehrt wurden. Das Preisgeld betrug 10.000 RM, eine damals sehr hohe Summe, der heute eine Kaufkraft von über 40.000 Euro zukommt.

Nabl, der sich zeitlebens als unpolitisch verstand, hatte sich seit seiner Tätigkeit beim Grazer Tagblatt (1924-1927) zunehmend mit dem deutschnationalen Lager identifiziert und der sogenannten „Südmarkrunde“ (Emil Ertl, Viktor von Geramb, Hans Kloepfer, Max Mell, Josef Papesch u.a.) angehört. Nach dem „Anschluss“ lehnte Nabl zwar die Übernahme einer ihm angetragenen Funktion innerhalb der NS-Kulturverwaltung ab, wurde aber mit Ehrungen, Preisen und Einladungen bedacht, die er ohne Zögern akzeptierte und wohl auch als verdiente Wertschätzung interpretierte. In seiner Dankrede anlässlich der Verleihungsfeier des Mozart-Preises am 3. Juni 1938 in Salzburg betonte Nabl in metaphorischer Verbildlichung (Wurzel-Stamm-Krone-Blüte-Frucht) seine Verbundenheit mit einem gemeinsamen Volks-Baum, wo nicht der Leistung des Einzelnen das Lob zukomme, sondern den wohl genetisch fundierten „geheimnisvollen Untergründen des Daseins“ einer Volksgemeinschaft, in der die Aufgabe des Individuums darin bestehe, die Waffe (des Wortes) „blank und scharf zu erhalten“. Im Gegensatz zu dem im folgenden Jahr ausgezeichneten Hans Kloepfer hat Nabl nie Führer-Elogen formuliert oder platte Solidarisierungsadressen an die Machthaber gerichtet, auch war er – für einen so massiv hofierten und geförderten Schriftsteller eine Seltenheit – kein Mitglied der NSDAP, dennoch sind die ideologische Nähe und die Eingliederung in den NS-Literaturbetrieb offensichtlich.Das Ausnutzen von angebotenen Optionen reicht dabei von der Veröffentlichung von (aus heutiger Sicht „unverdächtigen“) Texten in NS-Anthologien bis zu Rundfunklesungen und Teilnahmen an Lesungsreisen ins „Altreich“, etwa bald nach dem „Anschluss“ zu den 9. Berliner Dichterwochen im April 1938, bei denen die Literatur aus der heimgekehrten Ostmark beispielgeben (re)präsentiert werden sollte.

Die „Wiederentdeckung“ Nabls durch einige Autoren der „Grazer Gruppe“ 1973 (Bauer, Handke, Kolleritsch, Roth) oder prominente Fürsprecher wie Canetti oder Walser soll im Gedenkjahr 2018 nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der – wie die meisten steirischen Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – deutschnational-antimodernistisch ausgerichtete Autor durch sein opportunistisches Verhalten während der NS-Zeit, das sich aus politischer Naivität, Kurzsichtigkeit und fehlender Verankerung in einem liberal-aufgeschlossenen Umfeld, aber auch ökonomischen Motiven und der besonders in der Provinz weitverbreiteten Verbitterung der „Zukurzgekommenen“ erklären lässt, in der historischen Rückblende doch gravierend desavouiert hat.

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